Tag 2. Wie am Dienstag berichtet: der Kaffee ist mir auf den Magen geschlagen. Nun, dank exorbitanter Zufuhr von Antacida und Fenchel-Anis-Kümmel-Tee (bäh!) habe ich den Tag irgendwie überstanden. Und ich bin wild entschlossen meinem Magen jetzt erstmal eine Auszeit zu gönnen. Sprich, ich muss einen Kaffeeentzug machen. Nachdem ich den Dienstagabend brav im Bett verbracht und dementsprechend viel geschlafen hatte, war der Mittwoch auf der Arbeit auch gar kein Problem. Auch heute morgen fühlte ich beim Verlassen der Wohnung noch recht beschwingt. Nach der Morgenbesprechung ging ich dann zur Notaufnahme und sah meine lieben pflegerischen und ärztlichen Kollegen einen Cappuccino nach dem anderen an mir vorbeitragen. Das ist doch Psychoterror! Wie soll man denn da standhaft bleiben? Doch ich blieb standhaft. Naja, fast. Nachdem mich meine lieben Kollegen am frühen Nachmittag auf meine leicht reduzierte Schwingungfähigkeit ansprachen habe ich mir dann eine Cola gegönnt ***schlechtes Gewissen an***. Und oje morgen ist Freitag, der traditionell schlimmste Tag der Woche in der Notaufnahme…
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Nicht der optimale Zustand
„Und dieses Schmerzmittel sollte gut helfen.“ – „Ah super, dann versuche ich das mal.“ „Ja melden sie sich wenn sie weiter Schmerzen haben.“
Und hier die gleiche Unterhaltung, wenn man einen drogensüchtigen Patienten vor sich hat:
„Und hier dieses Schmerzmittel…“ „Ja Moment, mein Hausarzt schreibt mir immer das Superschmerzmittel einhundert in 5-facher Dosis auf!“ „Oh hmhm.“ „Und ich habe auch immer dieses Schmerzpflaster. Das habe ich heute Morgen verloren. Da brauche ich ein neues.“
„Wie sie haben das verloren?“ „Weiß ich auch nicht, da kann ich ja nichts dafür. Aber schauen sie, ich habe schon Entzugserscheinungen!“
„Wie sie haben das verloren?“ „Weiß ich auch nicht, da kann ich ja nichts dafür. Aber schauen sie, ich habe schon Entzugserscheinungen!“
Es folgt eine lange, nervenaufreibende Diskussion über verschiedene drogenähnliche Medikamente, die der Patient dem Arzt nun zu entlocken versucht und der Arzt hat dann schnell keinen Bock mehr. Gibt er dem Patient nichts, wird dieser in Kürze in Zustandsoption 1 verfallen, d.h. die ganze Station zusammenbrüllen und schreiend sein Krankenbett, das Krankennachttischchen und was sonst noch so rumsteht zertrümmern. Gibt man dem Patienten aber zu viel, so verfällt er ebenso in Kürze in Zustand 2: ein nicht mehr erweckbares Drogenkoma. Der Patient muss dann auf Intensivstation verlegt werden, wo er, sobald er wach wird in Zustand 1 (s.o.) verfällt.
Nun ja: Frau Gimmlily hatte sich schon zuhause mit den Drogen ihrer Wahl in Zustand 2 abgeschossen und war erfolgreich vom Rettungsdienst eingesammelt und auf die Intensivstation transportiert worden. Später wachte Frau Gimmlily auf und trat prompt in Zustand 1 über. Neue Extra-Drogen wollte ihr gerade keine geben und das war nicht nett wo sie abends schließlich immer eine Packung Superschmerzmittel 100 zu sich nähme. Heimgehen ging auch nicht, da zumindest eine 12 h Überwachung angeraten war. Nachdem Frau Gimmlily erfolglos versucht hatte die Intensivfachpflegerin in eine Prügelei zu verwickeln, gaben wir ein Beruhigungsmittel und nachdem das irgendwie keinen Effekt hatte noch ein anderes. Auch das schien jetzt nicht so der durchschlagende Erfolg zu sein. Da ich nun aber andererseits Frau Gimmlily nicht in eine erneute Beruhigungsmittelnarkose versetzen wollte, beschloss ich zur Sicherheit 10 min zu warten, bevor wir weitere Dosissteigerungen veranstalteten.
Ich ließ Frau Gimmlily kurz in der Obhut der Intensivpflegerin zurück und ging woanders hin. Auf Klo glaube ich.
Dort rief mich sofort der aufgebrachte Anästhesist an, der ausnahmsweise eine andere Patientin neben meiner liegen hatten. Was ich meine Patienten denn so rumschreien lassen würde?! Jetzt sei seine Patientin völlig fertig. Die habe er eigentlich verlegen wollen und damit wäre jetzt aber nichts mehr! Im Hintergrund hört ich nun des Anästhesisten Patientin ebenfalls laut schreien: „Ich STERBE!“
Die gefälschten Protokolle der Weisen von Zion – Vortrag bei der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs
Als ich vor zwei Jahren über die verheerende Wirkungsgeschichte der gefälschten “Protokolle der Weisen von Zion” und in 2016 das sciebook “Verschwörungsglauben” schrieb, ging es mir vor allem um deren “zweite Karriere”: Nachdem sie in der westlichen Welt vielfach widerlegt und durch den hasserfüllten Verschwörungsglauben der Nationalsozialisten diskreditiert worden waren, verbreiteten sie sich doch – mit ebenfalls furchtbaren Folgen – in der arabisch-islamischen Welt. Wenn Sie mir damals gesagt hätten, dass der Verschwörungsglauben an die “Protokolle” auch in deutsche Parlamente… weiter