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PubMed: Wie suche ich wissenschaftliche Publikationen?
Wo finde ich wissenschaftliche Publikationen? Wie suche ich wissenschaftliche Forschungsartikel? Wie finde ich wissenschaftliche Antworten?
In der Medizin sind Studien und Forschungspublikationen allgegenwärtig. Studien werden zur Zulassung von Medikamenten benötigt. Mit Studien wird argumentiert, warum eine Behandlung besser oder sicherer sei.
In den Medien oder in Laienzusammenfassungen wird häufig verkürzt und vereinfacht darüber berichtet. Die Schlagzeile zählt. Häufig kommt es aber darauf an, wie die Resultate gewonnen wurden? Welche Methode wurde angewendet? Gibt es Einschränkungen? Was sind mögliche Verzerrungen?
Wenn man es genauer wissen will, kommt man nicht darum herum, die Studie selbst zu lesen. Dazu muss die Studie gesucht werden.
Die Forschung heute ist auf englisch. Englisch wird deshalb vorausgesetzt.
PubMed
PubMed ist eine der einfachsten und mächtigsten Möglichkeiten zum Suchen von Forschungspublikationen. Der US-Staat betreibt seit langem die Datenbank MEDLINE, welche die wichtigsten Fachzeitschriften systematisch erfasst und indexiert. Die Daten reichen über 100 Jahre zurück. Die Artikel sind kategorisiert und mit Schlagwörtern versehen. Die Artikel selbst sind jedoch nicht in MEDLINE abgelegt, sondern MEDLINE ist nur der Katalog.
PubMed ist die frei zugängliche Webseite zur Suche in der MEDLINE-Datenbank. Die Artikel können nach Themen gesucht werden. Oder nach Autoren. Die Suche kann zeitlich eingeschränkt werden.
Der Mensch lernt am Besten mit Beispielen.
Beispiel 1
Ich möchte das Editorial «Relationships with the drug industry: Keep at arm’s length» von Marcia Angell aus dem British Medical Journal aus dem Jahre 2009 suchen. Dieser Artikel wird in der Regel wie folgt oder ähnlich referenziert
Angell M. Relationships with the drug industry: Keep at arm’s length. BMJ. 2009;338:b222. PMID:19193614
Ich kann beispielsweise mit angell m[Author] Relationships with the drug industry: Keep at arm’s length. nach dem Artikel suchen (Der Link führt gerade die Suche aus.). Namen werden häufig am Besten nach dem Schema Nachname mit erstem Vornamenbuchstaben gesucht, also Angell M. Das ist in der medizinischen Literatur so üblich.
Der Zusatz [Author] sagt PubMed, um welches Feld in der Datenbank es sich handelt. Die Suche wird durch solche Hinweise genauer.
In den «Search Details» auf der rechten Seite sieht man, welche Suche exakt ausgeführt wurde. Das kann beim Verfeinern der Suche helfen. Eine Suchanweisung der Search Details kann beispielsweise bei der nächsten PubMed-Suche ins Suchfeld kopiert und verändert werden.
Bei den gefundenen Artikeln ist jeweils oben Rechts ein Link zur Fachzeitschrift (Journal). In unserem Beispiel landen wir beim Anklicken auf dem Artikel. Doch, oh Schreck. Der Artikel ist da, aber wir können ihn nicht direkt lesen. Er ist nicht frei zugänglich.
Findet Google den Artikel Text? Eine Google-Suche führt zum gleichen Artikel.
Eine weitere Suchmöglichkeit ist Google Scholar, was nur Forschungsartikel sucht. Diese Suche findet wieder den gleichen Artikel. Teilweise werden auch Kopien mit dem Inhalt gefunden. Google Scholar ist von Google speziell zur Suche von wissenschaftlichen Publikationen entworfen worden.
Dass wir den Artikel nicht lesen können, ist nicht ein Problem von PubMed, sondern der Wissenschaft selbst. Viele Forschungsartikel sind leider nicht frei zugänglich.
Der freie Zugang wird als Open Access bezeichnet. Seit einigen Jahren gibt es das Bestreben, dass öffentlich bezahlte Forschung auch öffentlich frei zugänglich ist. Mehr zum Thema in der Artikelauflistung: Open Access.
Beispiel 2
Es soll die Phase III Studie von Fingolimod mit Prof. Dr. Kappos als Erstautoren gesucht werden.
Die Suche Kappos L fingolimod funktioniert. Es werden 15 Resultate zurückgegeben und der gesuchte Artikel ist an elfter Stelle. (Die Reihenfolge kann sich ändern.)
Die Suche könnte zusätzlich mit dem Publikationsjahr verfeinert werden. Die Suche Kappos L fingolimod 2010[year] liefert dann direkt den Artikel zurück.
Wir haben Glück und der Artikel ist Open Access. Oben rechts kann auf den Link zur Fachzeitschrift geklickt werden. Der Artikel erscheint.
Was ist der Unterschied zwischen PubMed und Google?
Google und Google Scholar sind gut bei der Suche von einzelnen Publikationen.
PubMed hat, mit einer Datenbank im Hintergrund, den Vorteil bei systematischen Suchen. Wenn es nicht nur um eine Publikation geht, sondern z.B. alle Artikel eines Themas. Beispielsweise alle Studien von Prof. Kappos zu Fingolimod: Kappos L fingolimod.
(Alle Studien eines Themas werden nur gefunden, wenn alle durchgeführten Studien auch wirklich publiziert wurden. Es wird geschätzt, dass die Hälfte aller Studien nicht veröffentlicht sind. «Positive» Studien werden zweimal häufiger veröffentlicht als «negative» Studien. Die verzerrte Forschungsliteratur (publication bias) ist ein eigenes Thema. Die AllTrials-Initiative engagiert sich gegen dieses Missstand.)
PMID
Die PMID identifiziert eine Publikation in der Datenbank. Mit dieser Nummer kann direkt auf die Publikation zugegriffen werden, beispielsweise 19193614[uid].
Die PMID wird auch von anderen genutzt. So beispielsweise von Wikipedia mit einem Automatismus für medizinische Referenzen via PMID.
PubMed Central (PMC)
PMC ist der Bruder von PubMed. PMC speichert im Gegensatz zu PubMed den vollen Text des Artikels selbst in der Datenbank. Das geht nur mit Publikationen, die dies erlauben. Also Open Access sind. PMC enthält folglich nur eine Untermenge von PubMed.
Cochrane und systematische Übersichtsarbeiten
PubMed ist ein Werkzeug. Mit PubMed können eigene Recherchen durchgeführt werden. Für verlässliche medizinische bzw wissenschaftliche Antworten ist die Cochrane Bibliothek jedoch das Mittel der Wahl. Denn die Cochrane Artikel sind das Resultat von systematischen Literaturrecherchen und Bewertungen, die typischerweise mit PubMed durchgeführt wurden. Wer schneidert sich heutzutage eine eigene Jacke, wenn fertige Jacken günstig gekauft werden können?
Cochrane-Berichte werden periodisch aktualisiert und dem neuen Stand der Wissenschaft angepasst.
Fazit
PubMed ist sehr praktisch zum Suchen von medizinischen Forschungsartikeln. PubMed ist mächtig. Man muss nicht alles verstehen um suchen zu können.
Open Access ist für alle, die nicht an Universitäten angestellt sind, eine Voraussetzung. Und das ist die Mehrheit der Bevölkerung.
Alle im medizinischen Umfeld, sei es als Patienten, Blogger oder Betreuer, sollten PubMed kennen und nutzen.
[Aktualisierung 20.07.2013: E-Mail Adressen von Forschern können mit [First Author] gefunden werden, z.B. Kappos L[Author – First]. Dann auf die Publikation klicken. Oben ist jeweils die E-Mail-Adresse der Ansprechsperson der Studie, häufig der erste Autor, angegeben.]
Der Regierungsstillstand (Government shutdown) der USA betrifft auch PubMed:
PubMed is open, however it is being maintained with minimal staffing due to the lapse in government funding. Information will be updated to the extent possible, and the agency will attempt to respond to urgent operational inquiries. For updates regarding government operating status see USA.gov.
Was wir sehen: Zentrale Systeme sind anfällig.
Österreichische Klinik zahlte für illegale…
In Österreich braucht es immer etwas länger. So hat die Tiroler Landeskrankenanstalten (TILAK) jetzt erst bemerkt, dass sie für die illegalen Stammzell-Behandlungen an der Uniklinik Innsbruck 1,2 Millionen Euro gezahlt hat. Zwei Professoren versprachen Patienten, die an Harninkontinenz leiden, Heilung, und machten die Patienten zu Probanden in nicht angemeldeten und von der Ethikkommission geprüften Studien. Die TILAK, ein Unternehmen der öffentlichen Hand, hatte über Jahre die Behandlung bezahlt.
Der Skandal hatte auch international für Aufmerksamkeit gesorgt.
Eine Schadensersatzklage eines Ex-Patient gegen die TILAK hatte den Fall ins Rollen gebracht. Schon beim Prozess im April 2008 wurde deutlich, dass die Studien nicht mit der entsprechenden Sorgfalt durchgeführt worden sind und es zu Unregelmässigkeitej kam. Die TILAK hatte daher schon 2006 die Finanzierung der Zellherstellung für die Therapie eingestellt. Nun fühlt sich das Unternehmen selber getäuscht, dabei hatten sich die Verantwortlichen auf die Versprechungen der ehrenwerten Herren Professoren verlassen:
Übrigens wäre ein ähnlicher Fall in Deutschland so nicht denkbar und auch Krankenkassen hätten wohl nicht für die unerprobte Stammzelltherapie gezahlt. Nach dem Krankenhausentgeltgesetz (KHEntgG § 8 Abs. 1 Satz 2) können bei Patienten, die im Rahmen einer klinischen Studie behandelt werden, nur die Entgelte für allgemeine Krankenhausleistungen berechnet werden. Versicherte haben in klinischen Studien nur dann einen Leistungsanspruch
und die Krankenkassen eine Leistungspflicht, wenn eine medizinische Behandlung indiziert ist und eine Behandlung auf Grund wissenschaftlicher Erkenntnissen erfolgt. Die reinen Forschungskosten bzw. ein forschungsbedingter Mehraufwand in der Krankenversorgung können und dürfen nicht von der GKV entgolten werden.
Disservice: Telefonkommunikation in Arztpraxen
Eine alltägliche Situation „Praxis Dr. Schmücking, Karl, guten Tag“. Täglich hören Tausende von Patienten derartige Meldungen, wenn sie eine Arztpraxis anrufen. Und täglich sind Hunderte von Praxismitarbeiterinnen bemüht, den in den Telefonaten geäußerten Wünschen und Anforderungen nachzukommen. Auf den ersten Blick erscheint das alles ganz einfach. Doch der erste Blick täuscht. Untersucht man die generelle […]